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R09-Decoder V2 - das Handgerät

Ein tragbares Gerät, das R09-Funktelegramme empfängt, auswertet und anzeigt, sie selbst senden kann und sich als Funkgerät nutzen lässt. Was es kann, was dahintersteckt und wofür es gut ist.

Angelegt: 05. Oktober 2026

Bild: R09-Decoder V2 - das Handgerät

...

Straßenbahnen und Busse schicken kurz vor einer Ampel ein kleines Funktelegramm los, um Vorrang anzufordern. Mein erster R09-Decoder konnte diese Telegramme empfangen und entschlüsseln, war aber ein ziemlich unhandlicher Kasten: Der VHF-Empfänger brauchte 12 V und damit einen eigenen Akkupack aus drei 18650-Zellen, dazu kamen ein separater Modem-Chip und ein Taktgenerator nur für diesen. Außerdem konnte er nur empfangen. Für die V2 wollte ich ein Gerät, das ich in die Hand nehmen und mitnehmen kann, mit eigenem Bildschirm und Akku, und das nicht nur empfängt, sondern auch selbst senden und obendrein als Funkgerät arbeiten kann.

Funktionen auf einen Blick

  • Empfangen: R09.14- und R09.16-Telegramme, Meldepunkt im Klartext statt als Nummer, Wiederholungen werden zusammengefasst
  • Detailansicht: alle Felder eines Telegramms inklusive Rohdaten
  • Senden: Telegramme direkt am Gerät zusammenstellen und senden (noch nicht ganz fehlerfrei)
  • Sprechfunk: mithören und sprechen auf dem eingestellten Kanal, mit Rauschsperre und Zeitlimit
  • Aufzeichnung: jede Sitzung als eigene CSV-Datei, die letzten zehn bleiben erhalten
  • Webinterface: Meldepunktliste importieren und exportieren, Einstellungen, Aufzeichnungen herunterladen, Firmware-Update
  • Audio-Stream: übers WLAN am Rechner mithören, was das Funkmodul gerade empfängt

Die Hardware

  • ESP32: Steuerung, Webinterface und Aufzeichnung
  • DRA818V: VHF-Funkmodul zum Senden und Empfangen, 12,5-kHz-Kanalraster, 1 W Sendeleistung
  • 2,8-Zoll-Farbdisplay (240 × 320, hochkant)
  • Dreh-Encoder: Bedienung aller Menüs
  • Sprechtaste und Mikrofon für den Sprechfunk
  • Kleiner Lautsprecher: Signalton bei neuen Telegrammen und Ton beim Sprechfunk
  • Echtzeituhr mit Knopfzelle: behält die Uhrzeit auch ohne Strom
  • LiPo-Akku 2000mAh mit Lade- und Boost-Platine, geladen über USB-C

Ein empfangenes Telegramm läuft so durch das Gerät:
Antenne
Funk
DRA818VFunkmodul
Ton
ESP32wertet aus
Display

Beim Senden geht es den umgekehrten Weg:

ESP32baut Telegramm
Ton
DRA818VFunkmodul
Funk
Antenne

Einen eigenen Modem-Chip wie beim alten Gerät gibt es hier nicht mehr. Aus den Tönen Bits zu machen und umgekehrt erledigt der ESP32 selbst. Die Firmware dafür baut auf dem Open-Source-Projekt [kv4p-ht](https://github.com/VanceVagell/kv4p-ht) auf, genauer auf einer Variante davon, die R09-Telegramme schon empfangen konnte. Den Rest, also Display, Senden, Webinterface und Funkgerät, hat eine KI dazugeschrieben.

Aufgebaut habe ich zuerst alles auf dem Steckbrett und getestet, dann fest auf eine Lochrasterplatine gelötet und in ein selbst konstruiertes, gedrucktes Gehäuse gesetzt. Beim Übergang auf die feste Platine gab es noch eine Hürde: Beim Senden strahlt das Funkmodul so stark ab, dass es die Signale des direkt daneben liegenden Encoders störte und das Gerät neu startete. Eine kleine Entstörung am Encoder und eine robustere Abfrage haben das behoben.

Aufbau auf dem Steckbrett
erst auf dem Steckbrett getestet
Auf Lochraster gelötet
dann fest auf Lochraster verlötet
Fertig im Gehäuse
im gedruckten Gehäuse

Empfangen und anzeigen

Empfangsliste auf dem Display

Jedes empfangene Telegramm landet sofort in der Liste, mit Uhrzeit, Linie und Kurs. Darunter steht der Meldepunkt im Klartext statt als bloße Nummer. Wird ein Telegramm mehrfach gesendet, fasst das Gerät die Wiederholungen zusammen und zeigt die Anzahl an.

Das Gerät beherrscht die Telegrammtypen R09.14 und R09.16. Damit aus einer Meldepunkt-Nummer ein lesbarer Ort wird, greift es auf eine hinterlegte Liste zurück, die Nummer und Name verknüpft. Bei mir sind das mehrere Hundert Einträge.

Detailansicht eines Telegramms auf dem Display

Ein Klick auf einen Eintrag öffnet die Detailansicht mit allen Feldern des Telegramms, also auch Ziel, Priorität, Fahrplanabweichung und Fahrzeuglänge, dazu die Rohdaten. Zu jedem neuen Telegramm gibt der Lautsprecher einen kurzen Ton aus.

Senden

Funkgerät-Ansicht auf dem Display

Meldepunkt, Linie, Kurs und Ziel stellt man direkt am Gerät ein. Die übrigen Werte wie Priorität, Abweichung, Fahrzeuglänge, Typ und Anzahl der Wiederholungen übernimmt das Gerät als Vorgabe aus dem Meldepunkt-Eintrag. Nach einer Sicherheitsabfrage wird gesendet.

Das Senden ist die neue Hauptfunktion gegenüber dem ersten Gerät und war zugleich der aufwendigste Teil. Ein Telegramm besteht aus einer genauen Abfolge zweier Töne, die zeitlich bitgenau stimmen müssen, sonst liest das Gegengerät Unsinn. In der Simulation und am Messgerät passt das inzwischen, über die Luft kommt beim Empfänger aber noch nicht jedes Zeichen fehlerfrei an, das ist die letzte offene Baustelle an dieser Funktion.

Wichtig dabei: Es sind dieselben Telegramme, die auch echte Anlagen auslösen könnten. Entsprechend wird nur im zulässigen Rahmen gesendet, mit Erlaubnis, minimaler Leistung und so selten wie möglich.

Als Funkgerät

Funkgerät-Ansicht auf dem Display

Weil im DRA818V ohnehin ein vollwertiger Sender und Empfänger steckt, lässt sich das Gerät auch für normalen Sprechfunk nutzen: mithören auf dem eingestellten Kanal und über eine Taste selbst sprechen, mit Rauschsperre und Zeitlimit.


Das ist keine eigene Zusatzhardware, sondern einfach die zweite Betriebsart desselben Moduls. Praktisch, wenn man das Gerät sowieso schon in der Hand hat und kurz funken möchte.

Aufzeichnung und Webinterface

Webinterface im Browser

Für alles, was am Rechner leichter geht, gibt es ein Webinterface: die Meldepunktliste als CSV importieren und exportieren, die Grundeinstellungen wie Frequenz, Bandbreite und Rauschsperre festlegen, die Aufzeichnungen ansehen und herunterladen sowie die Firmware aktualisieren.


Jedes empfangene und gesendete Telegramm schreibt das Gerät automatisch mit, pro Einschaltvorgang eine eigene CSV-Datei im internen Speicher; die letzten zehn Sitzungen bleiben erhalten. Die Meldepunktliste wird beim Hochladen häppchenweise eingelesen, damit auch eine Liste mit mehreren Hundert Einträgen den kleinen Speicher nicht sprengt. Die CSV-Dateien lassen sich direkt in Excel öffnen und auswerten.

Einstellungen und WLAN

Einstellungen auf dem Display

Unter Einstellungen wählt man am Gerät die Kanäle für Telegramme und Sprechfunk, schaltet WLAN und Audio-Stream ein oder aus und stellt Dinge wie Helligkeit und Sendepegel ein.

Erreichbar ist das Webinterface auf zwei Arten. Entweder macht das Gerät ein eigenes WLAN auf, mit dem man sich direkt verbindet, oder es meldet sich im Heimnetz an und stellt dabei gleich die Uhr übers Internet. Klappt die Verbindung ins Heimnetz nicht, öffnet es nach einer halben Minute trotzdem sein eigenes WLAN, damit man nicht ausgesperrt ist.

Ist der Audio-Stream an, kann man am Rechner mithören, was das Funkmodul gerade empfängt, zum Beispiel mit VLC.

Reichweite

Ein offener Punkt ist die Empfangsreichweite. Aus nächster Nähe empfangen das alte und das neue Gerät exakt das Gleiche. Bei echten Fahrzeugen in der Stadt reicht das alte Gerät aber rund doppelt so weit. Das liegt nicht am Entschlüsseln, sondern am Funkmodul und vor allem an der Antenne.

Fazit

Das Gerät ist fertig aufgebaut und im Einsatz. Empfangen, anzeigen, aufzeichnen, der Sprechfunk und die Meldepunktverwaltung laufen zuverlässig. Zwei Baustellen bleiben: das fehlerfreie Senden über die Luft und die Reichweite. Beides ist Feinschliff, und aus dem Schreibtischgerät ist genau das geworden, was ich wollte, ein handliches Werkzeug, das ich einschalte, einstecke und mitnehme.

Fragen zum Projekt? Schreib mir gern.